11.06.2015 - Fossilien im Kieswerk

 

Bei unserem Treffen im Juni haben wir uns mit dem Leben in unserer Region vor tausenden von Jahren befasst. Welche Tiere und Pflanzen hier gelebt haben, lässt sich anhand von Fossilienfunden rekonstruieren. Das Kieswerk der Firma Rohr gleich neben dem Naturschutzzentrum fördert nämlich nicht nur Kies an die Erdoberfläche, sondern auch alles, was sich sonst noch darin befindet. Und wir haben das Riesenglück, dass Gerhard Eppler nicht nur ein Experte für solche Funde ist, er darf uns auch in die Kiesgrube führen, damit wir dort selber auf die Suche gehen können.

Und damit wir wissen, worauf wir zu achten haben, hat Gerhard uns zunächst in einer Präsentation einige Dinge gezeigt, die es hier schon gefunden hat. Der Unterkiefer des Mammuts, den er hier in der Hand hält, gehört auch dazu.

Und nicht nur Gerhard hat interessante Fundstücke zum Zeigen: Lara hat in einem Kieshaufen bei sich zuhause etwas gefunden. Gerhard erkennt, dass es die versteinerte Geweihspitze eines Hirschs ist.

Jetzt geht es los: 

Wir haben vorher abgemacht, dass wir alle zusammenbleiben. Denn obwohl die Arbeiter in der Kiesgrube mittlerweile Feierabend gemacht haben, ist es nicht ganz ungefährlich, das Gelände zu betreten. Es soll sich ja niemand verlaufen, oder gar in einem der frisch aufgeschütteten Sandhaufen verschwinden!

Und so sieht dann der erste Kieshaufen aus, in dem Gerhard uns nach Fossilien suchen lässt. Auf ersten Blick kann man sich kaum vorstellen, dass es hier etwas zu finden gibt. 

Wie gut, dass Gerhard uns vorher gezeigt hat, worauf wir achten sollen!

Und kaum losgelegt, haben wir schon unseren ersten Fund: ein Stück von einem Knochen!

Von welchem Tier der stammt, lässt sich nicht so ohne weiteres sagen. Aber wenn man bedenkt, dass dies ja nur ein Teil vom Knochen ist, muss das Tier wohl ganz schön groß gewesen sein!

Gerhard weist auf die porösen Stellen in der Knochenstruktur hin.

Knochen sind in der Regel von einer festen, glatten Wand umgeben und bestehen im Inneren aus schwammartigen Gewebefasern. Diese geben dem Knochen ihre Stabilität und lassen gleichzeitig Raum für andere wichtige Bestandteile, z.B. dem Knochenmark.

Hier haben wir ein Stück von einem Mammut-Stoßzahn.

Klasse, dass es nach all den Jahren in der Erde immer noch ganz glatt außen ist!

Und auch in diesem Stein lassen sich Abdrücke von Fossilien ausmachen. Leider kann man auf dem Bild nicht mehr erkennen, welche das waren.

Doch nicht nur die Versteinerungen sind interessant:

bei diesem Stein sieht man, dass der weichere Sandstein im Laufe der Zeit ausgewaschen wurde, während die viel härtere Quarzschicht noch erhalten ist und jetzt wie ein Gerippe hervor steht.

Gerhard weiß einfach zu jedem Fundstück etwas zu sagen!
Gerhard weiß einfach zu jedem Fundstück etwas zu sagen!

Nach einer Weile geht es weiter zum nächsten Haufen.

Dieser hier ist heute ganz frisch ausgebaggert worden. Deshalb hält Gerhard uns zunächst zurück: die oberste Schicht des Haufens ist relativ sauber, und wir wollen sie erstmal gründlich absuchen, bevor wir anfangen, in den unteren Schichten zu wühlen und womöglich etwas unterbuddeln. 

Gerhard dreht die erste Runde unter den gespannten Gesichtern der Kinder und findet...

...einen Zapfen! Der ist  pechschwarz, ganz anders als die versteinerten Knochen und Hörner. Der Zapfen ist quasi verkohlt, ohne, dass er gebrannt hat.

Jemand fragt, was er wert sei? Gerhards Antwort macht uns klar: Geld kann man für so einen uralten Zapfen keins bekommen. Aber allein die Vorstellung, dass er vielleicht 30.000 Jahre verschüttet war, und wir die ersten Menschen sind, die ihn überhaupt je gesehen haben, ist doch einfach großartig!

Natürlich finden wir nicht nur Fossilien! Die ausgebaggerten Löcher füllen sich schnell mit Wasser (so ist ja der Erlachsee überhaupt erst entstanden), und hier finden verschiedene Wasservögel einen neuen Lebensraum.

Die Gänse sind wohl gerade in der Mauser. Während der Mauser verlieren Vögel ihre Federn - manche immer nur ein paar, die dann nachwachsen können, bevor sie die nächsten abschmeißen. Andere, wie zum Beispiel die Stockenten, verlieren in sehr kurzer Zeit vieler ihrer Schwungfedern und sind für eine kurze Zeit sogar flugunfähig. Aber ausgetauscht werden müssen die Federn! Sie sind am Ende einer Saison vom Fliegen ganz schön ausgeleiert und an den Enden ziemlich ramponiert. Da müssen dann neue her, bevor die alten Federn ganz im Eimer sind und ihren Besitzer nicht mehr tragen.

Glück für uns: die nächste Indianerparty kann jetzt kommen!

Die Zeit ging rum wie nichts, und wir machen uns auf den Rückweg - jeder mit seinen oder ihren Schätzen im Gepäck!

Staubig und lehmig war es auf dem Geländer der Firma Rohr. Wie schön, dass die Wasserpumpe im Naturschutzzentrum funktioniert und wir uns alle wieder einigermaßen säubern können, bevor unser Treffen zu Ende ist!

Das war ein sehr interessanter Nachmittag, und wir haben sicher alle viel Spaß gehabt und reichlich dazugelernt.


Bitte beachtet aber:

Das Gelände der Firma Rohr ist ein Privatgelände. Wir durften nur dorthin, weil Gerhard die ausdrückliche Erlaubnis der Besitzer hatte. Auch wenn ihr jetzt wisst, wie man dorthin kommt, und es sicher sehr verlockend ist, nachdem wir gesehen haben, wie viele unentdeckte Schätze dort warten: bitte betretet das Gelände niemals, ohne vorher gefragt zu haben, oder ohne die Begleitung eines autorisierten Erwachsenen!

Hier könnt ihr euch noch mal alle Bilder angucken, die ich an diesem Tag gemacht habe:

Bilder und Text: Doris Heller

Der Kreisverband Bergstraße ist eine Untergliederung des NABU Landesverbandes Hessen.

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