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Überwinternde Gänse am Rhein

Bild von Ralf Vetterle auf Pixabay
Bild von Ralf Vetterle auf Pixabay

Vielstimmiges Naturschauspiel in Südhessen Auen

Wetzlar/Groß-Gerau – Wenn man im Winter in den südhessischen Rheinauen zwischen Kühkopf und Trebur spazieren geht, sieht man immer wieder flatternde Vogelbänder am Himmel über den weiten Ackerfluren des hessischen Rieds auf- und abgehen. Die Vögel schwingen sich in Scharen in den Himmel auf, ziehen in Ketten- oder Keilformation durch die Luft und lassen sich an anderer Stelle wieder nieder. Wer dabei genau hinhört, vernimmt ein vielstimmiges Schnattern: Die meisten Vögel sind Wildgänse aus dem hohen Norden Europas, die hier den Winter verbringen. Wer genau hinschaut, entdeckt in den Vogelscharen ab und zu auch Blässgänse. Sie sind durch ihr charakteristisches Merkmal, den auffälligen weißen Stirnfleck, gut zu erkennen. Dazu kommen noch Hunderte von Graugänsen, einzelne Zwerg-, Kurzschnabel- und Weißwangen- Gänse sowie die Neubürger Kanada- und Nilgans.

 

„Ein tolles Naturschauspiel bietet sich besonders in den Abendstunden, wenn die laut rufenden Wildgänse in langen Bändern und Ketten am Abendhimmel in Richtung ihrer Schlafplätze fliegen“, erklärt der NABU-Fachexperte Bernd Petri aus Büttelborn. Die wilden Gänse übernachten zumeist auf dem Wasser in geschützten Bereichen des Altrheins oder in Kiesgruben. Auf ihrem Weg von den Weide- zu den Schlafplätzen legen sie bis zu zehn und mehr Kilometer zurück. Gute Beobachtungsorte sind der Schusterwörther Altrhein im Naturschutzgebiet „Kühkopf“ und der Rheindamm bei den Wächterstädter Wiesen. „Beim Beobachten der wilden Gänse sollte man stets genug Abstand halten, um die Tiere nicht aufzuschrecken“ gibt Petri zu bedenken.

 

In den äsenden Trupps haben immer einige Vögel die Hälse gereckt und halten Wache. Wenn Menschen ihnen zu nahekommen, geben die Wachttiere Alarm und der ganze Trupp fliegt sofort auf. Das unnötige Auffliegen verschwendet viele Energiereserven und lässt die Fettvorräte der Vögel schrumpfen. Bei häufigem Aufschrecken laufen die Wildgänse deshalb Gefahr, im Frühjahr nicht fit genug für die weite Rückwanderung in die nordischen Brutgebiete zu sein. Ab Ende Februar werden die Gänse vom Zugtrieb gepackt und beginnen die Heimreise in den Norden. Rasch verlassen dann größere Trupps das Ried mit auf dem Weg in die kühle Tundra und Taiga. Die meisten Gebiete im Hessischen Ried, in denen sich die Wildgänse in der kalten Jahreszeit überwiegend aufhalten, sind als europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen. So ist für den dauerhaften Schutz dieser wichtigen Überwinterungsgebiete für die Gäste aus dem hohen Norden gesorgt.

 

 

Für Rückfragen

Bernd Petri

Stellv. NABU-Landesvorsitzender

Mobil: 0170-9033570